Mediale Vorbilder: Die Abbildung von Kindern & Jugendlichen in Medien

Seit Jahren habe ich kaum eine dramaturgische Geschichte von jungen Menschen im deutschen Fernsehen mehr gesehen, in der es jungen Menschen zugestanden wurde, dass sie etwas auf die Beine stellen können. Immer sind diese jungen Menschen – schon ab 11 – gewalttätig und so total von ihren Eltern entfremdet, dass sie schon fast Verbrecher sind. In den Schulen wird an allen Ecken und Enden gemobbt, gedrogt und in Krimiserien ketten Jugendliche ihre Mitschüler an elektrische Stühle.

Ein Gespräch vor einiger Zeit mit Auszubildenden und Schülern der gymnasialen Oberstufe hat gezeigt, dass sie die mediale Darstellung von Jugendlichen komisch finden und es ihnen unklar ist, warum die Berichterstattung diesbezüglich so einseitig und eindimensional ist (ARD / ZDF). Auch über viele andere Themen war eine kluge und erkenntnisreiche Diskussion möglich, in deren Folge man sich die Frage stellen muss, warum es eine derartige mediale Verzerrung gibt. Jugendliche sind für Zeitungen und Fernsehen fast ausschließlich Problemfälle ohne Identität - mit Drogenproblemen und ohne Perspektive. Das entspricht in diesem Umfang nicht der Wirklichkeit.

Wie kommt es dazu, dass in dramaturgischen Geschichten derart überzeichnete Problemsituationen in den Vordergrund gestellt werden? Gibt es unter all den Drehbuchautoren und Redakteurinnen keine Eltern, die dadurch, dass sie Eltern sind, die Erfahrung gemacht haben, dass Kinder zumeist echt coole und spannende Wesen sind, mit denen man auf unglaublich neue und interessante Weise auch kommunizieren kann? Und dass es eben Kinder sind?

Sicherlich gibt es zahlreiche Problemfälle und Formen von Gewalt bei Jugendlichen, die bisher unmöglich erschienen. Gleichzeitig kann man mit vielen Jugendlichen heute Gespräche über politische Entwicklungen oder über das Bildungssystem führen – darüber, wie man globale Prozesse verändern sollte. In vielen Fällen werden dann reflektierte und kluge Sichtweisen und Standpunkte geäußert.

Dem hohen Anspruch an Bildung und Entwicklung, der heute an Jugendliche gelegt wird, gilt es erst einmal gerecht zu werden, dem gilt es standzuhalten. Gleichzeitg wird sich um viele, die diesen Anforderungen noch nicht oder so nicht gewachsen sind, wenig gekümmert oder gleich so, dass die lebenslange Sozialkarriere vorprogrammiert ist. Kluge Alternativen zwischen dem Up und dem Down scheint es wenige zu geben.

Kinder und Jugendliche brauchen auch in den Medien gute Vorbilder. Keine positivierten Überidole, sondern Gleichaltrige, die realen Problemen ausgesetzt sind und die nicht gleich flüchten, schlagen oder psychopathische Pläne schmieden, sondern auch zu Lösungen kommen. Und Eltern brauchen mediale Vorbilder, die nicht völlig unfähig sind zu kommunizieren, die nicht gleich wegen jeder Kleinigkeit hysterisch zusammenbrechen. Solche fähigen Eltern gibt es viele im realen Leben.

Mai 2012 - Oktober 2015